Just one touch away to master your perfect touch

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Ou la liberté existera-t-elle,

si ce n’est dans la passion?

Gustave Flaubert à George Sand,
(17 novembre 1866)


Die stärkste Antriebsfeder in meinem Leben ist und war stets die Frage wie es möglich ist, so vollendet wie möglich Klavier zu spielen.
Dies kam immer zuerst, alles andere folgte.

Ich hätte mir gewünscht, dass mir die Fähigkeit von unglaublichen Fingerfertigkeiten in die Wiege gelegt worden wäre. Auch ein aussergewöhnlicher Lehrer hätte bestimmt nicht geschadet.
Ich liebte das Klavierspielen bereits in meiner Kindheit, gleichzeitig hatte ich aber einen unglaublichen Bewegungsdrang und konnte mich stundenlang in der Natur aufhalten. Ausgedehntes Malen und Spielen waren mir ebenso wichtig.

Ich wurde glücklicherweise doch mit einem gewissen Talent beschenkt, insbesondere mit einem sehr guten Gehör, einer präzisen Vorstellung zur Interpretation und einer guten linken Hand. Leider waren meine Gaben aber nicht ausgeglichen. Ich erinnere mich kaum, dass mir meine linke Hand je grosse Schwierigkeiten gemacht hat und ich daran viel geübt hätte.
Nicht so mit der rechten!
Skalen und anderes Passagenwerk mit der rechten Hand zu spielen, war für lange Zeit eine Herausforderung.

Da ich jeweils eine sehr klare Idee von der jeweiligen Komposition hatte, konnte ich mich über mein Spiel und den Mangel an Perfektion unglaublich aufregen.
Ich erkannte schon früh den engen Zusammenhang von Musik und Psychologie, hasste aber diese Tatsache und wollte nur eines: mit Leichtigkeit spielen, und dies möglichst rasch!

Für eine sehr lange Zeit schien nichts zu meiner vollsten Zufriedenheit zu gelingen, obwohl ich mühelos die Aufnahme ans Konservatorium bestand.
Ich las alles, was ich über das Klavierspiel finden konnte.
In meinen Konzerten schrieb ich in letzter Minute schwierige Passagen in einfachere Arrangements um. Manchmal setzte ich auch meine viel stärkere linke Hand ein.

Eines Tages, nachdem mir die Teilnahme in einen Meisterkurs von einem bekannten Pianisten verwehrt wurde, lief ich eine Treppe hoch, indem ich wie so oft zwei Stufen auf einmal nahm. Ich rutschte aus, fiel hin und innerhalb von Sekunden war meine geliebte linke Hand schwer beschädigt. Ich hatte mir das Handgelenk gebrochen und mehrere Bänder gerissen. Es folgten zwei Operationen und meine Hand wurde für neunzehn Wochen in Gips gelegt!

Es schien, dass das Leben ein paar Bremsen gezogen hatte!

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich das erste Mal ohne den Gips wieder am Klavier gesessen bin:
Alle Muskeln waren verkümmert und ich konnte bestenfalls ein langsames Kinderstück spielen. Ich war traurig und fühlte mich sehr verletzlich.
Vielleicht war das ein entscheidender Moment, der mich veranlasste, etwas liebevoller und sanfter mit mir selbst zu sein.

Die folgenden Jahre waren dem Aufbau der linken Hand gewidmet. Dies dauerte etwa zehn Jahre.
In dieser Zeit unternahm ich so ziemlich alles, was ein Pianist eigentlich besser unterlassen sollte, wie: extremes Klettern- und Bergsteigen, Radfahren und Skifahren bei hohen Geschwindigkeiten (ja, ich wurde in der Schweiz geboren), Wüstentrekkings auf Kamelen und so weiter. Ich fühlte irgendwie, dass es nichts zu verlieren gab.

Ich beschäftigte mich aber auch in dieser Zeit, wenn nicht direkt physisch, so doch mental, immer mit dem Klavier.
Ich stieß auf diverse Methoden, sowohl klassische als auch alternative.
Ich besuchte einige Meisterkurse und unterrichtete viel.
Da ich hauptsächlich autodidaktisch lerne, habe ich mein Wissen vor allem durch viel Lesen und der Erforschung des Internets erweitert. Wenn es dann nötig schien, bin ich auch weit gereist, um eine Person zu finden, die mich im entscheidenden Moment weiterbringen konnte.

Lernen ist ein kontinuierlicher und nie endender Prozess und ich habe nicht das Gefühl, dass ich am Ende meiner Reise angelangt bin.
Es gibt immer mehr zu lernen. Ich fühle aber, dass dies ein Moment ist, mein Wissen zu teilen und einem grösseren Publikum zugänglich zu machen.

Ich hoffe, dass viele Pianisten davon profitieren können!

Menschen, die mein Leben entscheidend geprägt haben:

Ich danke Tatjana Nikolajewa und Nina Swetlanova für den Einblick in die große Tradition des russischen Klavierspiels.

Ich bin dankbar, dass ich Peter Feuchtwanger getroffen habe: Seine sensible Persönlichkeit und Musikalität haben mich sehr berührt und ich konnte meine verletzte Hand behutsam wieder auf Konzerte vorbereiten.
Er war der erste Pianist, der mir den Gebrauch der eingesunkenen Knöchelbrücke zeigte.

Ich bin dankbar für die Begegnung mit dem legendären Klaviervirtuosen Dickran Atamian. Seine Inspiration hat zum Konzept des "Perfect Pressure" geführt und wird mich noch länger beschäftigen.

Ich bin dankbar für die Unterstützung meiner Eltern und all' meiner Freunde. Sie haben mir Hoffnung gegeben in den Momenten wo ich sie verloren glaubte.

Ich bin mir selbst dankbar, da ich nie aufgegeben habe!

Schlussendlich danke ich meinem Klavier: Es ist nicht nur mein geliebtes Instrument, sondern ebenso meine persönliche Metapher für eine Lebensreise von viel Widrigkeiten zu wesentlich grösserer Freude!